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Wirtschafts Woche
 

10.12.2001 -- Westfalen-Blatt Nr. 286


Stammzellen für Politiker kein Wunder-Heilmittel

Genforschungsdebatte in Hans-Ehrenberg-Schule

Von Gerhard Hülsegge

Bielefeld-Sennestadt (WB). Die Hoffnung, mit dem Verpflanzen menschlichen Erbgutes in Form von Stammzellen bisher unheilbare Krankheiten schnell und wirkungsvoll bekämpfen zu können, trügt. Das haben die Repräsentanten fast aller im Bundestag vertretenen Parteien Freitagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Hans-Ehrenberg-Schule (HES) in Sennestadt übereinstimmend erklärt. Das Thema lautete: „Die Verantwortung der Politik für Genforschung und Gentechnologie“.

Das Gymnasium, der Sennestadtverein und die Evangelische Kirchengemeinde hatten zu der Veranstaltung eingeladen. Das Podium war hochkarätig besetzt mit Dr. Carola Reimann (SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied der Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“), Christa Nickels (Bundestagsabgeordnete vom Bündnis 90/Die Grünen und kirchenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion), Prof. Dr. Klaus Peter Bader von der Universität Bielefeld (Fachbereich Biologie) und vom 'Institut für Biomedizin und Umweltconsulting' (IFBUC) für die CDU und Andreas Rauch, stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen sowie Mitglied des Bielefelder FDP-Kreisverbandes.

Prof. Dr. Klaus Bader und Christa Nickels Halten die Würde des Menschen für ein hohes Gut: 
Christa Nickels (links) von den Grünen und Prof. Dr. Klaus Peter Bader (CDU).

 

 

 

 


Fotos: Hülsegge

Mehr als 60 Zuhörerinnen und Zuhörer verschiedenster Altersgruppen hatten sich zum Abschluss einer dreiteiligen Vortragsreihe zur Genforschung und Gentechnologie im Obergeschoss des Oberstufentraktes der HES eingefunden. Lehrer Dr. Jörg van Norden und Ulrich Klemens als Vorsitzender des Sennestadtvereins leiteten die zum Teil sehr lebhafte Diskussion.

So sprach sich Andreas Rauch („Ich bin kein professioneller Redner“) unter anderem dafür aus, menschliche Eizellen als „Abfallprodukt“ etwa nach Schwangerschaftsabbrüchen für die Forschung frei zu geben. „Sie würden sowieso vernichtet“, lautete sein Argument. Allerdings dürften sie maximal 14 Tage alt sein und es dürfe keine Alternative geben.

Für einen Stammzellen-Import aus dem Ausland sprach sich Dr. Carola Reimann aus. Deutsche Frauen würden immer älter, ehe sie nach beruflicher Karriere auch der Wunsch nach einem Kind beschäftige. Oft seien sie dann zu alt für die natürliche Befruchtung. Therapie-Versprechen, mit der Stammzellen-Forschung Krankheiten heilen zu können, hielt sie für sehr gewagt. „Was betrieben wird, ist reine Grundlagenforschung“, sagte die seit Februar für die SPD im Bundestags vertretene Politikerin („Ich habe selbst keine Kinder und will auch keine“).

Dr. Carola Reimann Dr. Carola Reimann (SPD): „Therapie-Versprechen bei Grundlagenforschung sind gewagt.“

 

 


 

 


Fotos: Hülsegge

Diese Meinung teilte auch Christa Nickels. „Manchmal hat auch schon eine gute Psychotherapie großen Erfolgswert“, meinte die gelernte Fachkrankenschwester für innere Intensivmedizin und plädierte für den Erhalt der Menschenwürde. Für geradezu pervers hielt es Prof. Dr. Klaus Bader, wenn das Europäische Patentamt ein Patent auf kranke wie gesunde Gene erteile, „und wir künftig Lizenzgebühren dafür zahlen müssen, wenn wir den Menschen etwas Gutes tun wollen“. Gesetzliche Regelungen seien dringend erforderlich, so der Physiologe.


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33611 Bielefeld
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e-mail: info@ifbuc.com oder k.bader@uni-bielefeld.de


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